Als ich heute beim Staubwischen war, fiel mein Blick auf die DVD-Box meiner Lieblingsserie – McLeods Töchter. Ich legte eine der Discs ein, und kaum begann das Intro, war ich wieder mittendrin. Gefangen. Verzaubert. Zuhause.
Ein Liebesbrief an McLeods Töchter
… eine Serie, die nicht nur mein Herz berührt hat, sondern ein Stück meiner Seele geworden ist.

Die erste Folge von „McLeods Töchter“ wurde in Deutschland vom Sender VOX am 19. Januar 2006 ausgestrahlt.
Und ich war von der allerersten Szene an verloren – oder besser gesagt: gefunden. Ich richtete mein Leben nach den Ausstrahlungen und wollte keine Folge verpassen. Ich tauchte ein – nicht nur in eine Geschichte, sondern in eine andere Welt. Und mit jeder Minute mehr wollte ich eine von ihnen sein.
Ich träumte mich dorthin:
Schweiß auf der Stirn, frühes Aufstehen, harte Arbeit.
Tagsüber in Jeans, abends auf der Veranda, neben mir mein Hund, ein Glas Whisky in der Hand oder eine kühle Flasche Bier.
Und rundherum: Weite. Freiheit. Leben.
Ich ritt – in meiner Vorstellung – durch mein Land, entlang der Zäune, über die Hügel. Und ich fühlte mich – frei.
Denn McLeods Töchter war für mich nie einfach nur eine Serie.
Sie war ein Gefühl.
Ein Lebensgefühl.
Eine Sehnsucht, die einen Namen trug: Drovers Run.
Schon beim Intro spürte ich diese Gänsehaut.
Diese Musik. Diese trockene Erde, dieses Licht, das alles weichzeichnet. Die Pferde im Gegenlicht, die Stille am Morgen, das leise Erwachen eines neuen Tages.
Und ich saß da – weit weg in meinem Wohnzimmer – und fühlte mich ihnen trotzdem ganz nah.
So seltsam das klingt: Ich war noch nie in Australien. Aber Drovers Run fühlte sich wie meine Heimat an.
Es war nicht nur eine Farm.
Es war ein Ort, an dem Frauen ihre Geschichte schrieben.
Mit Stärke, mit Zweifeln, mit Wildheit und mit Herz.
Ein Ort, an dem ich nicht nur dabei war, sondern mittendrin.
Und dann war da Claire.
Claire McLeod – allein ihr Name war für mich wie ein Felsen. Stark. Unverrückbar.
Sie war keine Heldin aus dem Bilderbuch – sie war echt.
Pflichtbewusst, wild, loyal, mutig – und manchmal so verletzlich, dass ich den Drang verspürte, sie einfach in den Arm zu nehmen.
Ich habe mit ihr gelebt. Gelacht. Geweint.
Ihr Tod hat mich erschüttert, als wäre eine Freundin gegangen. Ich saß da mit Tränen in den Augen – und einem Schmerz, den man sonst nur aus dem echten Leben kennt.
Weil sie mir so vertraut war. So nah.
Und dann Tess – das Herz inmitten all der raubeinigen Realität.
Feinfühlig, verträumt, etwas verloren – und gerade deshalb so mutig.
Sie war diejenige, die blieb, obwohl sie hätte gehen können.
Diejenige, die lernte, was es heißt, Wurzeln zu schlagen – an einem Ort, der zunächst fremd war und dann zum Zuhause wurde.
In ihr erkannte ich mich. In ihrer Sehnsucht. In ihren Fragen.
Und manchmal dachte ich:
Vielleicht bin ich eine Mischung. Ein wenig Claire. Etwas Tess. Und ein Hauch Stevie, mit roten Haaren, ungezähmtem Geist und diesem inneren Feuer.
Was diese Serie für mich unvergesslich macht, ist nicht nur die Landschaft, die Tiere oder die Dramatik.
Es war dieses Band zwischen den Frauen. Diese unaufgeregte, tiefe Schwesternschaft. Ein Miteinander, das nicht laut war, sondern stark. In einer Welt, in der Frauen oft gegeneinander gestellt werden, war Drovers Run ein Ort, an dem sie einander hielten.
Ohne Worte.
Mit Blicken.
Mit Händen, die zupackten – und Herzen, die offen blieben.
Und dann gibt es diese Szenen, die für immer in mir wohnen:
Claires letzter Ritt.
Tess, wie sie erkennt, wo ihr Herz schlägt.
Stevie, die endlich loslässt.
Jodi, die ihren eigenen Weg findet.
All das – das war nicht einfach nur Fernsehen.
Das war Leben.
Mein Leben, mit anderen Farben gemalt.
Denn irgendwann wurde mir klar:
Ich könnte dorthin reisen.
Eine Farm kaufen.
Mich zwischen Pferde und Zäune stellen.
Aber ich werde es nicht mehr so erleben können, wie ich es einst geträumt habe. Zwei schwere Unfälle haben meinen Körper verändert. Ich werde nicht mehr aufsteigen und die Sonne im Galopp durchbrechen. Nicht mehr im Sattel sitzen bei Regen und Wind.
Aber was ich kann:
Mich erinnern.
Fühlen.
Träumen.
Und lieben, was war.
McLeods Töchter war für mich mehr als Unterhaltung.
Es war eine Lehrmeisterin.
Eine Begleiterin.
Ein Spiegel.
Eine Freundin.
Sie hat mir gezeigt, dass Stärke nicht bedeutet, alles allein zu schaffen. Dass Verletzlichkeit kein Makel ist. Das Liebe nicht laut sein muss, sondern tief. Und so bleibt sie.
In meinem Herzen.
In dem, wie ich über Freundschaft denke.
Über Heimat.
Über Mut.
Und über die Art von Frau, die ich sein will, auch heute noch.
Manche Serien vergisst man.
McLeods Töchter nicht.
Denn sie war – und ist – ein Teil von mir. Und selbst jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, fließt die eine oder andere Träne.
Cerstin Rapske